Kapitel

Daniel 3

Lutherbibel 1912 und Menge-Bibel 1939, gemeinfrei

1Der König Nebukadnezar ließ ein goldenes Bild machen, sechzig Ellen hoch und sechs Ellen breit, und ließ es setzen ins Tal Dura in der Landschaft Babel.

2Und der König Nebukadnezar sandte nach den Fürsten, Herren, Landpflegern, Richtern, Vögten, Räten, Amtleuten und allen Gewaltigen im Lande, daß sie zusammenkommen sollten, das Bild zu weihen, daß der König Nebukadnezar hatte setzen lassen.

3Da kamen zusammen die Fürsten, Herren, Landpfleger, Richter, Vögte, Räte, Amtleute und alle Gewaltigen im lande, das Bild zu weihen, das der König Nebukadnezar hatte setzen lassen. Und sie mußten dem Bilde gegenübertreten, das Nebukadnezar hatte setzen lassen.

4Und der Herold rief überlaut: Das laßt euch gesagt sein, ihr Völker, Leute und Zungen!

5Wenn ihr hören werdet den Schall der Posaunen, Drommeten, Harfen, Geigen, Psalter, Lauten und allerlei Saitenspiel, so sollt ihr niederfallen und das goldene Bild anbeten, das der König Nebukadnezar hat setzen lassen.

6Wer aber alsdann nicht niederfällt und anbetet, der soll von Stund an in den glühenden Ofen geworfen werden.

7Da sie nun hörten den Schall der Posaunen, Drommeten, Harfen, Geigen, Psalter und allerlei Saitenspiel, fielen nieder alle Völker, Leute und Zungen und beteten an das goldene Bild, das der König Nebukadnezar hatte setzen lassen.

8Von Stund an traten hinzu etliche chaldäische Männer und verklagten die Juden,

9fingen an und sprachen zum König Nebukadnezar: Der König lebe ewiglich!

10Du hast ein Gebot lassen ausgehen, daß alle Menschen, wenn sie hören würden den Schall der Posaunen, Drommeten, Harfen, Geigen, Psalter, Lauten und allerlei Saitenspiel, sollten sie niederfallen und das goldene Bild anbeten;

11wer aber nicht niederfiele und anbetete, sollte in den glühenden Ofen geworfen werden.

12Nun sind da jüdische Männer, welche du über die Ämter der Landschaft Babel gesetzt hast: Sadrach, Mesach und Abed-Nego; die verachten dein Gebot und ehren deine Götter nicht und beten nicht an das goldene Bild, das du hast setzen lassen.

13Da befahl Nebukadnezar mit Grimm und Zorn, daß man vor ihn stellte Sadrach, Mesach und Abed-Nego. Und die Männer wurden vor den König gestellt.

14Da fing Nebukadnezar an und sprach zu ihnen: Wie? wollt ihr Sadrach, Mesach, Abed-Nego, meinen Gott nicht ehren und das goldenen Bild nicht anbeten, das ich habe setzen lassen?

15Wohlan schickt euch! Sobald ihr hören werdet den Schall der Posaunen, Drommeten, Harfen, Geigen, Psalter, Lauten und allerlei Saitenspiel, so fallt nieder und betet das Bild an, das ich habe machen lassen! Werdet ihr's nicht anbeten, so sollt ihr von Stund an in den glühenden Ofen geworfen werden. Laßt sehen, wer der Gott sei, der euch aus meiner Hand erretten werde!

16Da fingen an Sadrach, Mesach, Abed-Nego und sprachen zum König Nebukadnezar: Es ist nicht not, daß wir darauf antworten.

17Siehe, unser Gott, den wir ehren, kann uns wohl erretten aus dem glühenden Ofen, dazu auch von deiner Hand erretten.

18Und wo er's nicht tun will, so sollst du dennoch wissen, daß wir deine Götter nicht ehren noch das goldene Bild, das du hast setzen lassen, anbeten wollen.

19Da ward Nebukadnezar voll Grimms, und sein Angesicht verstellte sich wider Sadrach, Mesach und Abed-Nego, und er befahl man sollte den Ofen siebenmal heißer machen, denn man sonst zu tun pflegte.

20Und er befahl den besten Kriegsleuten, die in seinem Heer waren, daß sie Sadrach, Mesach und Abed-Nego bänden und in den glühenden Ofen würfen.

21Also wurden diese Männer in ihren Mänteln, Schuhen, Hüten und andern Kleidern gebunden und in den glühenden Ofen geworfen;

22denn des Königs Gebot mußte man eilends tun. Und man schürte das Feuer im Ofen so sehr, daß die Männer, so den Sadrach, Mesach und Abed-Nego hinaufbrachten, verdarben von des Feuers Flammen.

23Aber die drei Männer, Sadrach, Mesach und Abed-Nego fielen hinab in den glühenden Ofen, wie sie gebunden waren.

25Asarja trat hin und betete also; er tat seinen Mund auf und dankte dem Herrn (zugleich mit seinen Genossen inmitten des Feuers) und sprach:

26»Gelobt und gepriesen seist du, Herr, du Gott unserer Väter, und verherrlicht sei dein Name in alle Ewigkeit!

27Denn gerecht bist du in allem, was du an uns getan hast, und alle deine Werke sind wahrhaftig und deine Wege richtig und alle deine Gerichte wahrhaftig.

28Gerichte der Wahrheit hast du ausgerichtet in allem, was du über uns hast kommen lassen und über Jerusalem, unsrer Väter heilige Stadt; denn in Wahrheit und mit Recht hast du das alles getan wegen unsrer Sünden.

29Denn gesündigt haben wir in allem und übel getan damit, daß wir von dir abgefallen sind,

30und haben uns in allem verfehlt und nicht gehört auf deines Gesetzes Gebote, noch sie gehalten, auch nicht getan, wie du uns befohlen hattest, damit es uns wohl ergehe.

31Doch nun: alles, was du über uns hast kommen lassen, und alles, was du uns angetan hast, das hast du in wahrhaftem Gerichte getan;

32und hast uns in die Hände unsrer Feinde gegeben, ruchloser und feindseligster Abtrünniger, und einem Könige, der ungerecht ist und schlimmer als die Herrscher auf der ganzen Erde.

33Und nun dürfen wir unsren Mund nicht auftun; Schmach und Schimpf ist deinen Knechten und deinen Verehrern zuteil geworden.

34Gib uns nicht auf immer preis um deines Namens willen und brich deinen Bund nicht!

35Laß auch dein Erbarmen nicht von uns weichen, um Abrahams, deines Geliebten, und Isaaks, deines Knechts, und Israels, deines Heiligen, willen,

36denen du ja verheißen hast, ihr Same solle gemehrt werden gleich den Sternen am Himmel und gleich dem Sand am Ufer des Meeres.

37Denn wir sind, o Herrscher, klein geworden vor allen Völkern und sind heute niedrig auf der ganzen Erde um unsrer Sünden willen.

38Auch haben wir in dieser Zeit keinen Fürsten noch Propheten noch Anführer, weder Brandopfer noch Schlachtopfer noch Speisopfer, noch Räucherwerk, auch keinen Ort, dir die Erstlinge darzubringen und Gnade zu erlangen.

39Doch mit zerknirschtem Herzen und zerschlagenem Geist möchten wir von dir angenommen werden.

40Als brächten wir Ganzopfer von Widdern und Stieren und Tausende von fetten Schafen dar, so laß heute unser Opfer vor dich kommen und Versöhnung stattfinden vor deinem Angesicht! denn die dir vertrauen, werden nicht zu Schanden.

41Und nun sind wir dir von ganzem Herzen gehorsam und fürchten dich und suchen dein Angesicht.

42Laß uns nicht zu Schanden werden, sondern verfahre mit uns nach deiner Milde und nach der Fülle deines Erbarmens,

43und errette uns nach deinen Wundertaten und gib deinem Namen die Ehre, o Herr! Und schämen müssen sich alle, die deinen Knechten Übles zugefügt haben;

44zu Schanden laß sie werden mit aller ihrer Herrschaft, und ihre Macht werde zertrümmert!

45Erkennen müssen sie, daß du der alleinige Herr Gott bist und herrlich über den ganzen Erdkreis hin!«

46Die Diener des Königs aber, die sie hineingeworfen hatten, ließen nicht ab, den Ofen zu heizen mit Naphtha und Werg und Pech und Reisig;

47und die Flamme schlug gegen 49 Ellen über den Ofen empor

48und fraß um sich und verbrannte um den Ofen her, wen sie von den Chaldäern erreichte.

49Aber ein Engel des Herrn war zugleich mit Asarja und seinen Gefährten in den Ofen hinabgestiegen und hatte die Feuerflammen aus dem Ofen hinausgetrieben

50und bewirkt, daß der Innenraum des Ofens so war, wie wenn ein kühlender Tauwind ihn durchwehte. So berührte also das Feuer sie überhaupt nicht, tat ihnen auch nicht wehe und belästigte sie nicht.

51Da hoben die drei wie mit einem Munde an zu singen; sie priesen und lobten Gott in dem Ofen mit den Worten:

52»Gelobt seist du, Herr, Gott unsrer Väter, gepriesen und hochgerühmt in Ewigkeit,

53und gelobt sei dein herrlicher, heiliger Name, hocherhoben und hochgerühmt in alle Ewigkeit!

54Gelobt seist du im Tempel deiner heiligen Herrlichkeit und hochgepriesen und hochverherrlicht in Ewigkeit!

55Gelobt seist du auf dem Thron deines Königtums und gepriesen und hochgerühmt in Ewigkeit!

56Gelobt seist du, der du die Tiefen schaust, sitzend auf den Keruben, gelobt und verherrlicht in Ewigkeit!

57Gelobt seist du in der Himmelsfeste und gepriesen und verherrlicht in Ewigkeit!

58Lobet den Herren, all ihr Werke des Herrn, preiset und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!

59Lobet den Herrn, ihr Engel des Herrn, preiset und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!

60Lobet den Herrn, ihr Himmel, preiset und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!

61Lobet den Herrn, alle ihr Wasser über dem Himmel, preiset und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!

62Lobet den Herrn, all ihr Mächte des Herrn, preiset und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!

63Lobet den Herrn, Sonne und Mond, preiset und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!

64Lobet den Herrn, ihr Sterne des Himmels, preiset und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!

65Lobet den Herrn, aller Regen und Tau, preiset und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!

66Lobet den Herrn, all ihr Winde, preiset und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!

67Lobet den Herrn, du Feuer und Hitze, preiset und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!

68Lobet den Herrn, Frost und Kälte, preiset und rühmet ihn hoch in Ewigkeit! Lobet den Herrn, Tautropfen und Schneeflocken, preiset und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!

69Lobet den Herrn, Nächte und Tage, preiset und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!

70Lobet den Herrn, Licht und Finsternis, preiset und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!

71Lobet den Herrn, Eis und Kälte, preiset und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!

72Lobet den Herrn, Reif und Schneegestöber, preiset und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!

73Lobet den Herrn, ihr Blitze und Wolken, preiset und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!

74Es lobe den Herrn die Erde, preise und rühme ihn hoch in Ewigkeit!

75Lobet den Herrn, ihr Berge und Hügel, preiset und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!

76Lobet den Herrn, all ihr Gewächse auf der Erde, preiset und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!

77Lobet den Herrn, ihr Quellen, preiset und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!

78Lobet den Herrn, ihr Meere und Flüsse, preiset und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!

79Lobet den Herrn, ihr Walfische und alles, was sich reget in den Wassern, preiset und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!

80Lobet den Herrn, all ihr Vögel des Himmels, preiset und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!

81Lobet den Herrn, all ihr wilden und zahmen Tiere, preiset und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!

82Lobet den Herrn, ihr Menschenkinder, preiset und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!

83Lobet den Herrn, ihr Israeliten, preiset und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!

84Lobet den Herrn, ihr Priester, preiset und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!

85Lobet den Herrn, ihr Knechte, preiset und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!

86Lobet den Herrn, ihr Geister und Seelen der Gerechten, preiset und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!

87Lobet den Herrn, ihr Frommen und die ihr zerschlagenen Herzens seid, preiset und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!

88Lobet den Herrn, Anania, Asarja und Misael, preiset und rühmet ihn hoch in Ewigkeit! Denn er hat uns der Unterwelt entrissen und uns aus des Todes Macht errettet; er hat uns herausgerissen mitten aus der lodernden Flamme und uns erlöst aus dem Feuer!

89Danket dem Herrn, denn er ist freundlich, ja ewig währt sein Erbarmen!

90Lobet alle, die ihr den Herrn fürchtet, den Gott der Götter! Lobsinget und saget ihm Dank, denn sein Erbarmen währt in Ewigkeit.«

91Da entsetzte sich der König Nebukadnezar und fuhr auf und sprach zu seinen Räten: Haben wir nicht drei Männer gebunden in das Feuer lassen werfen? Sie antworteten und sprachen zum König: Ja, Herr König.

92Er antwortete und sprach: Sehe ich doch vier Männer frei im Feuer gehen, und sie sind unversehrt; und der vierte ist gleich, als wäre er ein Sohn der Götter.

93Und Nebukadnezar trat hinzu vor das Loch des glühenden Ofens und sprach: Sadrach, Mesach, Abed-Nego, ihr Knechte Gottes des Höchsten, geht heraus und kommt her! Da gingen Sadrach, Mesach und Abed-Nego heraus aus dem Feuer.

94Und die Fürsten, Herren, Vögte und Räte kamen zusammen und sahen, daß das Feuer keine Macht am Leibe dieser Männer bewiesen hatte und ihr Haupthaar nicht versengt und ihre Mäntel nicht versehrt waren; ja man konnte keinen Brand an ihnen riechen.

95Da fing Nebukadnezar an und sprach: Gelobt sei der Gott Sadrachs, Mesachs und Abed-Negos, der seinen Engel gesandt und seine Knechte errettet hat, die ihm vertraut und des Königs Gebot nicht gehalten, sondern ihren Leib dargegeben haben, daß sie keinen Gott ehren noch anbeten wollten als allein ihren Gott!

96So sei nun dies mein Gebot: Welcher unter allen Völkern, Leuten und Zungen den Gott Sadrachs, Mesachs und Abed-Negos lästert, der soll in Stücke zerhauen und sein Haus schändlich verstört werden. Denn es ist kein andrer Gott, der also erretten kann, als dieser.

97Und der König gab Sadrach, Mesach und Abed-Nego große Gewalt in der Landschaft Babel.

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